Haus Tao

 

 

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von Beatrice Knechtle

 
Religion und Institution - ein Thema auch fürs Haus Tao

Ich will es gleich vorwegnehmen: Ich mag Bettelbriefe nicht sonderlich! Besonders dann nicht, wenn sie von irgend einer religiösen Bewegung kommen und den Nachgeschmack hinterlassen, das Dharma sei eh unbezahlbar und deshalb gebe ich immer zu wenig. Dann kann ich ja auch gleich gar nichts geben. Auch beobachte ich mit Interesse, wie doch so schön angepasst an die Zeichen der Zeit die Programme und Plakate der einzelnen Zentren immer stilvoller und damit leider auch teurer werden. Die Zeiten des Alternativen sind damit endgültig auch in spirituellen Kreisen vorbei. Bescheidenheit ist geradezu unrühmlich geworden.

Wir Schweizer sind in einem Staatssystem gross geworden, in dem Religion - zumindest was die Finanzen anbelangt - klar geregelt ist. Bin ich ChristIn, so wird der Kirchenobulus zur Erhaltung des institutionellen Rahmens automatisch mit meiner Steuerrechnung verrechnet, ob ich je eine kirchliche Gegenleistung einfordere oder nicht. Trete ich aus der Kirche aus, bin also “konfessionslos”, dann liegt es fortan an mir, ob ich mein Geld für mehr Konsum oder allenfalls zur Unterstützung und Erhaltung anderer Institutionen ethischer oder religiöser Art einsetze.
Das Haus Tao und andere Häuser ähnlicher Art sind institutionelle Gefässe zur Weitervermittlung der Lehre Buddhas, welche uns eine ungewohnte und daher auch oft verdrängte Herausforderung stellen. Als MitbenutzerIn solcher Institutionen muss ich mich nämlich fragen, welchen Stellenwert für mich der Buddhismus nicht nur ideell und spirituell, sondern auch finanziell hat. Denn offensichtlich manifestiert sich auch die viel besprochene Leere im Buddhismus in der Form, d.h. ohne Haus, Wasser, Strom, Lehrende etc. kein Ort der Lehre!
Das Meditationszentrum Haus Tao ist nur dank all derer möglich, die dies erkannt haben und immer wieder erkennen. Zugleich ist es uns wichtig, ohne finanziellen Druck und Zwang auf die Vereinsmitglieder und Retreatteilnehmenden arbeiten zu können. Die uralte buddhistische Tradition des “Dana” - des freien Gebens - soll über das Bestehen oder die Auflösung dieses Hauses entscheiden können.

Wenn ich hier also dennoch dieses Thema ansprechen, kommt das daher, dass ich davon überzeugt bin, dass wir ganz einfach auch Informationen brauchen. Nun also einige Facts - und wie schon gesagt: bitte keine Schuldgefühle und noch eins - Du bist hier nicht persönlich gemeint!

- Die Stiftung Haus Tao wird zu zwei drittel von privaten DarleherInnen getragen, also nur zu einem drittel von Bankhypotheken.
- Bis heute konnten alle zurückgeforderten Darlehen mit neuen Darlehen abgelöst werden.
- Das Dana (freie Geben) ist seit 1983 im Durchschnitt von Fr. 25.- auf Fr. 31.- gestiegen, pro Person und Retreattag. Jüngstes Beispiel: Neujahrs-Retreat: Fr. 27.50 für zwei voll engagierte Lehrkräfte.

Wir wissen, dass einige Leute wesentlich mehr geben, d.h. Aber auch, einige andere geben wesentlich weniger. Eines geht bei dieser Rechnung sicherlich verloren: wir arbeiten ausserhalb der Retreats für die Retreats bzw. das Haus Tao.

Auch wenn das Haus Tao inzwischen weitgehend renoviert ist besteht keine Garantie zu dessen
Fortbestand! Gerade um Weihnachten 97 herum kamen überraschend Darlehensrückforderungen
von Fr. 60000.- auf uns zu. Diese konnten fast zur Hälfte mit ebenso überraschenden
Darlehensangeboten neu gedeckt werden - den Rest haben wir über die Bank aufgenommen. Die
dadurch erhöhte Zinslast ist glücklicherweise zur Zeit durch die gute Auslastung in den Retreats
und im Buddhismus-Seminar tragbar.
Wir wurden in letzter Zeit des öfteren darauf angesprochen, dass wir die Möglichkeit einer
testamentarischen Bevorzugung der “Stiftung für achtsames Leben” einer breiteren
Öffentlichkeit
ins Bewusstsein rufen sollten. Wir freuen uns natürlich sehr über diesen zukunftsweisenden
Hinweis!