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Interreligiöser Dialog in
Steinhausen
29. September 04
Interview mit Marcel Geisser, Zen-Meister, Gründer und Leiter des
Zentrums "Haus Tao"
Herr Geisser, die ökumenische
Arbeitsgruppe von Steinhausen startete im November 2003 eine
Informationsreihe über Weltreligionen. Sie hat Sie als Referent am
29. September 2004 eingeladen, einen Vortragsabend zum Thema
Buddhismus zu gestalten. Was ist das Faszinierende am Buddhismus?
Der Buddhismus ist primär keine Glaubensreligion, sondern eine rationale
und logisch nachvollziehbare Weltanschauung. Gleichzeitig eröffnet er
uns
den Blick in die mystische Dimension des Lebens und gibt Antworten auf
die
ewigen Fragen des Menschseins. Er betont die Eigenverantwortung und
Chance
jedes Einzelnen, Glück und Frieden in sich selbst zu finden und
dadurch
zum Wohle aller Wesen beizutragen.
Wieso liegt der Buddhismus momentan im Trend bei uns im Westen?
In einer zunehmend hektischen, informationsüberfluteten
und lärmigen Welt
gewinnen Werte wie Stille und Gelassenheit zunehmend an Bedeutung. Ein
in
2600 Jahren entstandener Erfahrungsschatz insbesondere der Meditation
bietet
Unterstützung im Alltag, bei der Bewältigung von Stress und
Lebenskrisen
und zeigt zugleich eine Praxis, die zu spirituellem Wachstum und zur
Befreiung
führt.
Was sind die grundsätzlichen Unterschiede vom Buddhismus zu den
christlichen Religionen?
Der Buddhismus bezieht sich nicht auf einen Schöpfergott. Dennoch können
wir ihn nicht als atheistisch bezeichnen. Das "Göttliche"
(Weisheit und
Liebe) ist im Bewusstsein und in der ganzen Natur inherent und zeigt
sich
in allen Äusserungen des Lebens. Es kann nur erfahren und nicht
begrifflich
erfasst werden. Insofern ist der Begriff "Gott" eine Einschränkung
und nur
ein weiteres Konzept.
Des weiteren wird im Buddhismus das gesamte Leben als fliessend und
unbeständig verstanden. Deshalb gibt es für ihn keine überdauernde
Seele, sondern ein vollkommenes Verwobensein allen Lebens. Das
Loslassen der Idee vom Ich bedeutet Eins-Sein mit dem Fluss von Werden
und Vergehen und führt zu spontanem Mitgefühl mit allen Wesen.
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