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von Dharmacharya Marcel Geisser

 

 

Panja-Sila
Die Fünf Ethischen Grundlagen



Gewaltlosigkeit
Im Bewusstsein des Leidens, das durch die Zerstörung von Leben verursacht wird, will ich mitfühlende Zuwendung üben und Wege finden, das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen zu bewahren. Ich bin entschlossen, wenn immer möglich nicht zu töten und in meinem Denken Gewaltfreiheit zu üben. Ich bin mir zugleich der Tatsache bewusst, dass Leben immer aus anderen Lebensformen entsteht.

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Grosszügigkeit
Im Bewusstsein des Leidens, das durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung verursacht wird, bin ich zur Entwicklung von liebender Güte entschlossen und möchte Wege finden, dem Wohlergehen von Menschen, Tieren und Pflanzen zu dienen. Ich möchte Freigebigkeit üben, indem ich meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teile, die sie brauchen. Ich werde das Eigentum anderer respektieren und wenn immer möglich andere davon abhalten, sich auf Kosten menschlichen Leidens oder des Leidens anderer Lebewesen zu bereichern.

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Liebe und Sexualität
Im Bewusstsein des Leidens, das durch sexuelle Begegnungen entstehen kann, bin ich zur Entwicklung von Verantwortungsgefühl entschlossen und möchte Sexualität nur dann leben, wenn sie auf Freiwilligkeit und gegenseitigem Respekt für die Bedürfnisse des andern beruht. Ich bin entschlossen, durch meine sexuellen Begegnungen niemandem willentlich zu schaden und Verantwortung für die Folgen meiner Gedanken, Worte und Taten zu übernehmen. Ich weiss, dass sexuelle Beziehungen, die von Begierde bestimmt werden, das Gefühl von Einsamkeit nicht auflösen können. Daher gründe ich mein Leben auf die Entwicklung von Liebe und Verstehen.

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Kommunikation
Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsame Rede und die Unfähigkeit, anderen zuzuhören, verursacht wird, bin ich zur Entwicklung von einfühlsamer Rede und tief mitfühlendem Zuhören entschlossen. Da ich weiss, dass Worte Glück oder Leiden verursachen können, möchte ich lernen, Worte zu gebrauchen, die zu Selbstvertrauen, Freude und Hoffnung anregen. Ich bin fest entschlossen, die Wahrheit zu sagen und keine Neuigkeiten zu verbreiten, derer ich mir nicht sicher bin. Ich werde nichts kritisieren oder verwerfen, über das ich nicht genau Bescheid weiss. Ich werde alles unternehmen, um Konflikte - wie gering sie auch immer sein mögen - zu schlichten und zu lösen.

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Genügsamkeit
Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsamen Konsum verursacht wird, bin ich entschlossen, gute körperliche und geistige Gesundheit für mich und andere zu entwickeln. Ich will keine Mittel zu mir zu nehmen, die meine Praxis behindern. Indem ich ein massvolles Leben führe, will ich an der Umwandlung von Gewalt, Furcht, Wut und Verwirrung in mir selbst und in der Gesellschaft arbeiten. Ich möchte mein Leben so gestalten, dass ich genügend Zeit und Energie für die Praxis der Achtsamkeit einsetzen kann.

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Die Neun Pfeiler der Sati-Zen-Sangha

Die 9 Pfeiler sind die Grundlage und Praxis der Sati-Zen-Sangha. Betrachtet diese Übungen der Achtsamkeit als Nordstern, der uns die Richtung weist, und vermeide Perfektionismus und Intoleranz. Sie sind nicht isoliert zu betrachten. Sie sind verwoben mit den Fünf Ethischen Grundlagen, den Vier Edlen Wahrheiten und dem Achtfachen Pfad.

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1. Wahrheit
Binde dich nicht an Lehrmeinungen, Theorien oder Ideologien. Alle Denksysteme und Religionen sind nur Orientierungshilfen; sie sind nicht die absolute Wahrheit. Suche nach der Wahrheit im Leben und nicht nur in begrifflichem Wissen. Vermeide Missionseifer, als Einzelperson und als Gemeinschaft.

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2. Einfachheit
Mache Liebe und Weisheit zu deinem wahren Lebensziel und nicht Macht, Reichtum, Ruhm oder sinnliches Vergnügen. Lebe auf einfache Weise und teile deine Zeit, deine Kraft und deine materiellen Mittel mit denen, die sie brauchen. Verzichte auf leere Rituale und betreibe keinen Personenkult.

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3. Freiheit
Strebe nach wahrer Freiheit und Echtheit. Gebe dir und anderen den nötigen Raum zur Entfaltung und ein Klima der Offenheit und Weite. Erkenne, dass Anhaften Leiden bringt und suche nach der Ursache deines Leidens in deinem eigenen Geist.

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4. Gleichheit
Begegne jedem Wesen mit liebevollem Respekt, denn jedes ist auf einzigartige Weise Ausdruck des Absoluten. Erfolg und Misserfolg sind keine Gradmesser für spirituelles Wachstum. Betrachte die Wellen von Lob und Tadel, Gewinn und Verlust mit Gleichmut und als Herausforderung zum Loslassen.

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5. Mut
Habe Mut zur Veränderung. Schritte zu wahrer Transformation erfordern manchmal grosses Risiko und die Bereitschaft, bekannte Kreisläufe zu verlassen. Vermeide dabei Engstirnigkeit und Gewalt. Lerne mit schwierigen Emotionen umzugehen und sie auszuhalten, ohne von ihnen versklavt zu werden.

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6. Verstehen
Versuche deine Mitmenschen wirklich zu verstehen. Gib denen, die dir nahe sind, Einblick in deine innere Welt. Bemühe dich um Versöhnung und Lösung aller Konflikte. Lerne dir und andern zu verzeihen und suche nach Liebe und nicht nach Abhängigkeit. Schaffe nicht unnötiges Leiden und Trennung durch einen Mangel an Kommunikation.

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7. Mitgefühl
Bleibe in Berührung mit dem Leiden in der Welt. Lass es nicht zu, dass dein Bewusstsein für die Existenz des Leidens abstumpft. Erkenne die Verbundenheit mit allen Wesen und suche nach Mitteln und Wegen, dich für das Wohl anderer und zur Verminderung von Leiden zu engagieren.

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8. Offenheit
Sei dir bewusst, dass Methoden, Institutionen und Hierarchien immer nur Hilfsmittel sind und nicht Selbstzweck werden sollen. Lerne, sorgsam und verantwortungsvoll mit Macht umzugehen und sei bereit, sie abzugeben und mit anderen zu teilen.

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9. Praxis
Verliere dich nicht in Zerstreuung. Dein tägliches Leben ist der Ort der Praxis der Achtsamkeit - von Moment zu Moment. Bleibe in Berührung mit dem, was in dir und um dich herum heilend, erfrischend und voller Wunder ist. Lass die Keime der Freude, des Friedens und des Verstehens in dir wachsen, um in den Tiefen deines Bewusstseins den Prozess der Umwandlung zu fördern.

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von Marcel Geisser