Vertiefende Praxis

 
 
Meditation und Alltag

Wir leben nicht in Zen-Klöstern. Somit ist die Praxis im Alltag von grösster Bedeutung. Die Vertiefende Praxis ist eine Praxis des Übergangs, die Brücke zwischen Retreat und dem Üben mit den Tücken und Schönheiten des täglichen Lebens. So werden die Hilfsmittel zen-klösterlicher Methoden zu kleinen Juwelen und die buddhistischen Drei Juwelen werden für uns greifbarer und bekommen Sinn und Inhalt.
Die Vertiefende Praxis bietet auch ein Experimentierfeld zwischen individuellem Rückzug und gemeinschaftlichem Leben. Gruppenzwänge sind keine Lösung, sondern vielmehr die Selbsteinschätzung von Eigenem und Anderen.


Die Drei Juwelen
Der Buddha sprach nicht einfach von Achtsamkeit, sondern von der "vollen, alles umfassenden, alles mit einbeziehenden" Achtsamkeit (samma sati). Dies ist keine „Technik“, die man rein theoretisch, etwa durch das Lesen von Büchern, erfassen kann. Das Dharma (die Lehre des Buddha) erschliesst sich uns in seiner Tiefe nicht über Worte! Um Achtsamkeit wirklich zu verinnerlichen und damit ihre umfassende (samma) Kraft zu entfalten, bedarf es einer forschenden Geisteshaltung in der Stille ebenso wie im achtsamen Tun. Achtsamkeit kann an Retreats zwar erlernt, eingeübt und erstaunlich vertieft werden. Wie weit wir sie realisiert haben, zeigt sich allerdings „in der Welt“, vorwiegend und am herausforderndsten in Beziehungen zu anderen Menschen – am Retreat wie zu Hause.
 
So sprach der Buddha auch stets von den Drei Juwelen als Einheit – also von einer umfassenden Praxis, die unser ganzes Sein mit einbezieht. Ansonsten hätte er sagen können: Seid einfach ab und zu ein wenig achtsam und der Rest ergibt sich schon. Natürlich bildet Achtsamkeit die unentbehrliche Basis der Praxis, doch es geht letztlich um deren höchstmögliche Integration in unser gesamtes Leben. Und die entsteht dadurch, dass wir unser ganzes Wesen in die Praxis mit einbeziehen. In einer umfassenden Praxis ergründen wir…
  • das Juwel des Buddha im Bereich des Vertrauens und der Hingabe;
  • das Juwel des Dharma im Bereich des Verstehens und direkten Erfahrens, was Meditation und die Sicht des Buddha wirklich ist;
  • das Juwel der Sangha als direkte Überprüfung des im Herzen Verstandenen.

Das Dritte Juwel: Die Sangha
Thich Nhat Hanh sprach stets von der Sangha als zentralem Ort der Praxis. Das können wir leicht nachvollziehen: Unser Umgang innerhalb der Sangha spiegelt meist deutlich unseren Grad des Verständnisses bei der Umsetzung der Lehre.

Was sind die kraftvollen Mittel der Praxis in der Sangha? Zu ihnen gehören all die Aspekte wie Stille und Aktion, Reden und Schweigen, Zuhören und Dinge in wenigen Worten sagen lernen, den anderen mit einbeziehen und auf sich selbst achten, Konflikte und Unzufriedenheit weder aus Angst noch aus Bequemlichkeit übergehen, sondern Wege finden, sie gemeinsam anzugehen.

Das Vertiefende Training hat uns 15 Jahre lang einen solchen Übungsraum in der Gemeinschaft gegeben. Zentrale Aspekte davon sollen in das neue, etwas veränderte Gefäss der Vertiefenden Praxis einfliessen.

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